Unsere Schüler der Schule Les Petits Génies mit ihren Gutscheinen für Reis und Öl. Damit können sie zum Großhändler gehen, um ihre Waren abzuholen.

Update April 2026

Dakar, April 2026

Salaam aleikum, soxna yi ak serigne yi,

mein Flugzeug landete am Montag verspätet am Umsteigeflughafen Madrid. Die Stewardess empfahl mir, die Mitreisenden zu informieren, dass meine Umsteigezeit sehr knapp bemessen war. Alle Reisenden machten Platz, damit ich das Flugzeug verlassen konnte. In der ersten Reihe versperrte mir ein Mann, dessen Gesicht mir bekannt vorkam, den Weg. Er fuhr mich an, alle anderen würden auch aussteigen wollen, nicht nur ich. Die Stewardess nahm sich meiner an und räumte den Koffer des Mannes zur Seite.

Später erfuhr ich, dass ich die Bekanntschaft mit Lothar Matthäus gemacht hatte.

In Dakar ist immer Stau, Vorfahrtsregeln wie rechts vor links sind ohne Bedeutung. Man verständigt sich durch Blicke, Handzeichen. Beschimpfungen höre ich nie, im schlimmsten Fall hupt ein Fahrer, der hofft, dass der Vordermann weiter- oder zur Seite fährt. Die Menschen gehen freundlich miteinander um, es ist immer Zeit für eine kurze Unterhaltung, wenn man eine Boutique (kleines Lebensmittelgeschäft) betritt oder andere Besorgungen zu erledigt hat. Selbst in der Hauptstadt grüßen sich Menschen, die im gleichen Stadtviertel wohnen und sich nicht kennen. Inzwischen reichen meine Wolofkenntnisse (Wolof ist die Sprache, die nahezu alle Senegalesen sprechen) für ausgedehnte Begrüßungsformeln aus, wie auch für meine oben gewählte „Friede sei mit euch, meine Damen und Herren“. Man antwortet übrigens mit „Aleikum asalaam“.

Die senegalesische Kultur zu verstehen, ist eine Lebensaufgabe. Erst heute berichtete eines unserer Patenkinder, sie habe Hilfe bei Personen gesucht, die Fetischismus im übernatürlichen Sinne betreiben. Dabei sei sie in Trance versetzt worden und als sie wieder das Bewusstsein erlangt habe, sei ihr Handy nicht mehr auffindbar gewesen. Es ist allgemeine Praktik in Westafrika, übernatürlichen Kräften zu vertrauen.

In den vergangenen Jahren fielen an verschiedenen Orten im Senegal in Schulen immer wieder Mädchen in Trance. Die Menschen sind überzeugt, dass Dschinns für diese rätselhaften Vorgänge verantwortlich sind.

Krankheiten werden überwiegend selbst diagnostiziert, auch aus Mangel an finanziellen Mitteln. Die Zwillinge Mbaye berichteten, sie seien zu einem traditionellen Heiler gegangen, um ihr Asthma in den Begriff zu bekommen. Auf meine Frage, wer die chronische Krankheit diagnostiziert habe, antworteten sie, das habe ihre Mutter getan. Nun verstehe ich auch, warum ich seit Jahren Ratschläge zur Behandlung meiner Asthmaerkrankung erhalte. Minztee könne die Krankheit heilen, Blätter wurden mir empfohlen, selbst ein Pulver zur kompletten Wiedererlangung meiner Gesundheit drückte man mir in die Hand.

Es ist uns ein Anliegen, unseren Patenkindern neben der Schul- und Berufsausbildung Untersuchungen nach wissenschaftlichen Standards zu ermöglichen, wenn es um die Diagnose schwererer Erkrankungen geht.
Gestern haben wir mit unseren Patenkindern in Dakar ein großes Fest bei einer niederländischen Bekannten (die ich über den Vater unserer Patenkinder Binta, Salif und Makhtar kennengelernt habe), gefeiert.

Fast alle unsere Patenkinder haben den teilweise beschwerlichen Weg zu Herma auf sich genommen, um gemeinsam zu feiern.

Unsere Absolventin im Restaurantfach, Ndeye Sokhna, hat uns mit selbstgebackenem süßem und salzigem Gebäck verwöhnt. Grégoire, unser inzwischen nahezu blinder Freund und treuer Ratgeber, hat eine Stegreifrede zu Ehren von 10 Jahren Malika Vision gehalten.

Selbst Awa Diop, eine unserer ersten Absolventinnen als Schneiderin, ließ es sich nicht nehmen, unserem Fest beizuwohnen.

Wir danken Herma Bode für ihre Gastfreundschaft. Mein großer Dank geht an Mincady Coulibaly, der den Kindern unseres Projekts mit großem Respekt und Liebe begegnet.

Vielen Dank an alle Spender, die unsere Arbeit möglich machen. Herzliche Grüße aus Dakar

Sabine Leibl
1. Vorsitzende Malika Vision e.V.