Besuch / Visite

Bericht über meinen Besuch in Malika/Dakar/Senegal im Mai 2018

Von/De Sabine Leibl // 24.06.2018

Am 18. Mai bin ich mit einer schönen Überraschung in meinem Reisegepäck nach Dakar geflogen. Eine liebe Kollegin hat mir ihren Abschied aus unserer Firma versüßt – mit einer Spende von 750 EUR für mein Projekt. Ich beschloss, einen Teil des Geldes in eine Lebensmittelspende für jede Patenfamilie zu investieren. Mincady Coulibaly, der das Projekt für mich vor Ort verwaltet, und ich, kauften für jede Familie 50 kg Reis, 3 kg Zucker und 2 kg Datteln. Sie sind unverzichtbar im Ramadan.

Unser erster Besuch fiel auf den Pfingstmontag. Die Wiedersehensfreude war bei einigen Familien groß, andere Familien sind durch die Armut so traumatisiert, dass sie sich schwertun, ihre Freude zu zeigen. Alle waren erleichtert über die Lebensmittelspende, da es im Ramadan noch schwerer ist, den Lebensunterhalt zu verdienen. Bei unserem Besuch erfuhr ich, dass die 9jährige Fatou vor einiger Zeit fast von einer Mauer erschlagen wurde und seitdem Probleme mit der Hüfte hat. Wir beschlossen, sie von einem Orthopäden untersuchen zu lassen und zu versuchen, ihr die notwendige ärztliche Behandlung zu finanzieren. Das Procedere ist kompliziert. Zuerst fand eine Untersuchung im Krankenhaus statt, die Wartezeiten sind gewaltig. Dann musste ein Ticket für eine Röntgenuntersuchung bezahlt werden. Danach stand fest, dass die weitere Untersuchung im Krankenhaus Fann in Dakar stattfinden muss. Dort wird sich Mincady mit ihr am 4. Juli vorstellen. Ihre Mutter ist Analphabetin, sie kann für ihre Tochter nicht viel tun. Grégoire, der ehrenamtliche Lehrer der Straßenkinderschule in Malika, bereitet mir auch Sorgen. Seine Augen werden bei jedem Besuch schlechter. Ich bot ihm an, mit ihm in die Klinik zu fahren, um ihn behandeln zu lassen. Das Ergebnis war niederschmetternd. Eine Brille hilft Grégoire nicht mehr, größere Untersuchungen sind notwendig, er wird am 21. Juni erneut die Klinik aufsuchen. Ursprünglich war Grégoire Mechaniker. Als sein Augenlicht schlechter wurde, konnte er in seinem Beruf nicht mehr arbeiten. Seither unterrichtet er die Kinder aus Malika, deren Eltern sich den Schulbesuch an einer öffentlichen Schule nicht leisten können. Sehr gefreut habe ich mich, als ich die Familie von Fatou Mery und Binta besuchte. Binta erzählte mir in relativem gutem Französisch ganz aufgeregt, dass sie neben der Schule eine Ausbildung macht, um junge Mädchen vor sexuellem Missbrauch zu schützen. Sie sei auch die Chefin des Quartiers in Malika, in dem sie wohne, erzählte sie mir. Fatou Mery und Binta haben Glück, sie wachsen relativ behütet auf. Ganz schlecht sieht es bei Demba aus. Weder beim ersten noch beim zweiten Besuch haben wir einen Elternteil angetroffen. Mincady hat berichtet, dass er bei keinem einzigen seiner sonntäglichen Besuche einen Erwachsenen dort gesehen hat. Ndeye Sokhna, die 13jährige Schwester von Demba, führt offenbar ganz alleine den Haushalt, versorgt Demba und die kleinen Zwillinge mit. Es war uns sehr wichtig, dass sie die Straßenkinderschule verlässt und ab Oktober die Aline-Sitoe-Diatta-Schule besuchen kann.

Die Beschulung der Kinder ist der erste Schritt meiner Arbeit. Ich überlege seit längerem, wie den Kindern nach ihrer Schulausbildung geholfen werden kann. Der praktische Grégoire hat mich auf die Idee gebracht, den Jugendlichen aus der Straßenkinderschule eine Berufsausbildung zu ermöglichen. Die 15jährige Awa wird im Herbst eine Ausbildung zur Schneiderin an einer guten Schule beginnen. Sie wird die Schule 3 Jahre besuchen, dabei auch Französisch lernen. Danach kann sie selbst eine Schneiderei führen.

Neben meinen Besuchen bei den Patenfamilien haben Moussa Traoré, Mincady Coulibaly und ich mit fünf Kindern aus der Straßenkinderschule eine zweite CD produziert. Voilà… Die CD ist ab sofort hier bei mir erhältlich. Ich freue mich auf zahlreiche Käufer.

Im September reise ich zum alljährlichen Gartenfest des Bundespräsidenten am 7.9.2018 in Schloss Bellevue in Berlin. Dieses Fest würdigt Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und damit „zu einer lebendigen Bürgergesellschaft beitragen“. Ich freue mich sehr über die Einladung und die Möglichkeit, mein kleines Projekt einem größeren Personenkreis vorstellen zu können.

Bis zum nächsten Mal.
Herzliche Grüße
Sabine Leibl   

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